Das Rätsel

 

 

Die Thriller von John Katzenbach strotzen nicht gerade vor Action.

Eher sehr subtil taucht man als Leser in die Psyche der einzelnen Protagonisten ein, bis man in ihren Sog gezogen wird, dem man nicht mehr entkommen kann.

Nachdem ich bereits "Das Opfer" und "Die Anstalt" gehört hatte, fiel mir nun mit "Das Rätsel" ein weiterer Roman von John Katzenberg in die Hände.

Abgesehen von nur wenigen Stellen, an denen der Autor mir die Gebäude, die kaum eine Rolle spielen, etwas zu überdeutlich beschreibt, ließ der Rest der Story mich kaum noch aus den Fängen.

Immer mehr erfährt der Leser - oder wie in meinem Fall der Zuhörer - was es mit der Vergangenheit des Professors Jeffey Clayton - ein Profiler, der auch Professor Tod genannt wird - seiner Schwester Susan und der Mutter Diana auf sich hat.

Wie ein Puzzle gibt das Rätsel - Stück für Stück - sein Geheimnis preis. Ein Geheimnis, das besser in der Vergangenheit der Familie begraben geblieben wäre.

Susan Clayton erfindet unter dem Psydonym 'Mata Hari' Rätsel für eine Zeitung, bis ihr von einem geheimnisvollen Verehrer rätselhafte Nachrichten in den privaten Briefkasten flattern. 
Während eines Besuchs in einer Bar, verschanzt sie sich auf der Damentoilette, um einen aufdringlichen Kerl loszuwerden. Nachdem sie sich endlich herauswagt, liegt der Kerl mit aufgeschlitzter Kehle vor ihr auf dem Boden.

Jeffrey Clayton ist Psychologieprofessor an einer Uni. Eines Tages wird er vom Polizisten  Martin gebeten, einen Mord an einem jungen Mädchen aufzuklären. 
Mord, sollte es in dem 51ten Bundesstaat nicht verübt werden, da er als so sicher gilt, dass dies eher an einer Unmöglichkeit grenzen sollte.

Schnell stellt Jeffrey fest, dass es bereits sehr viel mehr Morde in diesem "sicheren" Staat gegeben hat, als man ihm anfangs weismachen wollte.

All dies ist Teil eines ausgeklügelten Plans, um sie alle Drei in diesen Bundesstaat zu locken.

Als Jeffrey der Identität des Mörders auf der Spur ist, verschwindet ein weiteres Mädchen. Ein Wettrennen gegen die Zeit beginnt. 
Es ist nicht sicher, wer aus diesem Spiel als Sieger hervorgeht.

 

Ich muss sagen, mir hat dieser John Katzenbach-Psychothriller bisher am besten gefallen.
Langsam aber stetig baut sich eine Spannung auf. Der Autor führt den Leser/Hörer immer wieder auf eine falsche Spur, bis man selbst glaubt, in die Falle getappt zu sein.

Hier hat ein intelligenter Mörder seine Finger im Spiel, dem man nie im Leben begegnen möchte.

 

Es gab einige Stellen, bei denen ich mich ertappte, wie ich den Atem anhielt …

Bild Buchcover Das Rätsel von John Katzenbach

Der Sammler

 

 

Einer meiner absoluten Lieblingsromane ist
Der Sammler (Originaltitel: “The Collector”) von John Fowles.

 

Die Handlung kommt mit gerade mal den beiden Protagonisten und 1-2 Nebencharakteren aus.

Die Geschichte wird abwechselnd, einmal aus der Sicht des Täters und aus der Sicht des Opfers geschildert.

 

Immer mehr wird der Leser in den grausamen Sumpf von Fehleinschätzungen gezogen, bis einem fast die Luft zum Atmen wegbleibt.  Ein psychologischer Kampf par excellence, bei dem nicht nur die Protagonisten leiden.

 

Das Opfer Miranda schreibt ihre Geschichte in ein Tagebuch. Sie berichtet über ihre Entführung, ihren Emfindungen während der Gefangenschaft und ihrem Leidensweg.

Dagegen steht Fred der Miranda entführt hat, weil er sie liebt. In seiner eigenen Welt gefangen, will er Miranda überzeugen, ihn ebenfalls zu lieben. Dabei spielt er auf Zeit.

 

 Kein Blut! Und doch Spannung pur, bis zum Ende!

 

1965 wurde das Buch unter der Regie von William Wyler verfilmt. Die Verfilmung trägt den Namen ‘Der Fänger’. Sie ist sehr nah am Buch angelegt und mit zwei hervorragenden Schauspielern – Terence Stamp und Samantha Eggar – besetzt.
Dennoch habe ich beim Buch mehr gelitten.

 

Meine absolute Leseempfehlung!!!

Bild Buchcover Der Sammler von John Fowles

Frauenzwinger

 

Als ich den Titel las, war ich fasziniert.
Als ich das Cover sah, war ich fasziniert.
Als ich den Klappentext und die Leseprobe las, war ich nicht mehr ganz so fasziniert.

Ich brauchte einige Tage zum Überlegen, ob ich mir dieses Buch kaufen sollte.
Nun, da ich jetzt darüber schreibe, ist wohl jedem klar, dass ich es getan habe.

Anfangs noch relativ harmlos geschrieben, und für meinen Geschmack teilweise auch etwas zu langatmig, wird der Leser ab dem Ende des zweiten Kapitels plötzlich in ein Szenario gezogen, das gar nicht so abwegig ist und verhindert, dass man das Buch aus der Hand legt.


Man kauft Hundewelpen vom Züchter, warum also nicht auch ....

Erika möchte einen Hundewelpen und landet schließlich ebenfalls in einem Zwinger. Weshalb, wird natürlich nicht von mir verraten.

Sie versucht zu entkommen, doch der Fluchtversuch misslingt. Dabei segnen einige Charaktere das Zeitliche.
Um sie von einem weiteren Versuch abzuhalten, haben sich ihre Entführer etwas Besonderes für sie ausgedacht.

Die bildhaften Beschreibungen des Autors Brett Williams unterstützen die Fantasie des Lesers und lassen den Pulsschlag zu Höhenflügen aufbrechen.
Mir erging es zu mindestens so, während ich in der Bahn saß und gerade in eine dieser Szenen eintauchte.
Einen Moment lang musste ich das Buch in den Schoß legen und überlegte, ob ich weiterlesen sollte. Die Neugierde siegte letztendlich. Nachdem ich einmal tief durchgeatmet hatte, ging es weiter.
Auch mit der Brutalität.

Nachdem ich das Buch beendet hatte, war ich etwas zweigeteilt. Zum einen, weil die Idee und die Geschichte sehr realitätsnah geschrieben sind. Zum anderen, weil die Protagonistin, und wie sich das Ende entwickelt, absolut nachvollziehbar und logisch sind.
Was mir hingegen weniger zusagte, war die Einführung der Cousine Bobby Jean. Ab einem gewissen Zeitpunkt übernimmt sie die Hauptrolle und Erika verschwindet im Hinterstübchen.
Auch werden hier einige Stränge geöffnet und nicht geschlossen. Gern hätte ich noch mehr über Erika erfahren. Ihre Gefühlswelt. Wie sie die Umgebung aufnimmt, Zeitvertreib etc.
Da wäre noch mehr Spielraum gewesen, um die Protagonistin dem Leser noch näher zu bringen.

Den Originaltitel "Family Business" hätte man ruhig belassen können, da er besser gepasst hätte.

 

Fazit: Wer dieser Familie in die Hände fällt, kann sein Testament machen!

Frauenzwinger von Brett Williams (erschienen im Festa Verlag) ist nicht unbedingt für jeden geeignet.
Wer es jedoch gern etwas härter und böser mag, wird daran Gefallen finden.

 

 

Bild Buchcover Frauenzwinger von Brett Williams

Jimmy

Hier stelle ich Dir das Buch "Jimmy" von William Malmborg - erschienen im Festa Verlag - vor.

 

Bisher gab es nicht viele Bücher, die es geschafft haben, mich über mehrere Stunden zu fesseln. Doch von dieser Story konnte ich mich einfach nicht lösen.


Anfangs dachte ich noch: Oh nein! Jetzt bin ich auf eine Highschool Story hereingefallen. Teenies, im prüden Amerika, steuern auf ihren Schulabschluss zu. Vermutlich würde die Feier von irgendwelchen Rowdies oder Terroristen oder hirngeschädigten Individuen gesprengt werden.
Meine Fantasie assoziierte damit sofort bunte Bilder à la Hollywood, kreischende Teenager, gewürzt mit einer Extraportion Blut. Dennoch spürte ich bereits auf den ersten Seiten, dass es hier nicht ganz der Fall sein konnte.

 

Ich erzähle dir kurz den Inhalt – ohne Spoileralarm:

Jimmy ist ein Junge, der in einer intakten Familie aufwächst, und gut mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder auskommt. Er ist intelligent, gut aussehend, dennoch ein Außenseiter und steht kurz vor seinem Schulabschluss.
Jimmy führt ein Doppelleben, denn er steht auf BDSM und besitzt eine beachtliche Videosammlung davon. Heimlich genießt er es, sich Filme anzusehen, in denen Frauen an den Handgelenken aufgehängt werden, was ihm bei diesen Bildern seinen sexuellen Höhepunkt zu Tage fördert.


Er entführt Samantha King, ein Mädchen, das auf seine Schule geht, und lebt diese Fantasie an ihr aus, die für Samantha die Hölle auf Erden birgt.
Die Polizei ist überzeugt, dass Samantha abgehauen ist und sucht nicht nach ihr, denn in ihrer Kleinstadtidylle passieren keine Entführungen. Nur ihre beste Freundin Megan glaubt nicht, dass Samantha weggelaufen ist, und begibt sich auf die Suche nach ihr. Dabei fällt sie ebenfalls in die Hände von Jimmy, der sich nun mit zwei Mädchen auseinandersetzen muss. Doch im Gegensatz zu Samatha lässt sich Megan nicht so leicht unterkriegen. Schließlich ist sie die Tochter des Sheriffs.

 

Es ist fast unmöglich, das Buch noch aus der Hand zu legen.
Da wirkt selbst die Romanze, die sich zwischen Jimmy und Tina entwickelt, nicht aufgesetzt oder störend.

 

Wer hier an die BDSM-Spiele, wie sie in Büchern wie Shades of Grey oder 80 Days denkt, wird danach suchen müssen. Hier wird nichts beschönigt oder abgemildert, und dennoch driftet die Geschichte nicht in einen Splatter Roman ab.

 

Wer es gern ein wenig realer mag, ohne viel Fiktion, kann beherzt zu diesem Buch greifen.

Bild Buchcover Jimmy von William Malmborg

Knochensplitter

"Knochensplitter - Wie ich den Toten ihr Geheimnis entlocke"  - erschienen im Goldmann Verlag - ist kein Thriller im herkömmlichen Sinn.

Und doch hatte ich so meine Schwierigkeiten dieses Buch aus der Hand zu legen.
Nicht zuletzt, weil es die forensischen Vorgehensweisen beschreibt, die mich seit meiner Kindheit begeistern.

 

Der Titel 'Knochensplitter' ist gut gewählt. Der Leser erhält einen detaillierten Eindruck, wie Forensiker es schaffen aus einem Haufen Schotter und Staub die Identität einer Person herauszufinden, nachdem sie Millionen Puzzleteile wieder zusammengesetzt haben. So wie es bei der Katastrophe, und nach dem Zusammenbruch der Twin Towers, in New York der Fall war.


Wer jedoch auf viel Blut und Action steht, wird enttäuscht. Hier kommt man mit akribischer Sorgfalt dem Verbrechen auf die Spur.


Tja, und mein trockener Hals war eher darauf zurückzuführen, weil ich das Buch fast verschlungen hatte.

 

Wer sich für Anthropologie und Anatomie interessiert, dem erwartet hier eine spannende Lektüre.

 

Das Buch wurde von Dr. Emily Craig geschrieben, eine der führenden Köpfe auf dem Gebiet der forensischen Anthropologie in den USA. Durch ihre enge Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft konnte sie bereits einige Untersuchungen mit ihrer Expertise zum Erfolg verhelfen.

 

Wahre Geschichten über Tote, mal nicht staubtrocken erzählt.

Bild Buchcover Knochensplitter vo Emily Craig