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Autorenherbst #3 Protagonisteninterview

Tja, wenn André gewusst hätte, wer Viktoria wirklich ist, vermutlich hätte er sich diesen Scherz verkniffen …

Doch ich schreibe nicht nur Thriller. Auch im Fantasy-Genre fühle ich mich sehr wohl.

Mit „Fated Shadow III – Kreuzgang“ habe ich den Zyklus um Aveline Black beendet.

Obwohl ich kein religiöser Mensch bin, faszinieren mich Dämonen und Engel. Spiegeln sie doch oft etwas in uns selbst wider.

Fated Shadow spielt an Originalschauplätzen in England und Schottland in der heutigen Zeit.

Mit Aveline, einem 20jährigen Mädchen, die etwas in sich trägt, von dem nicht nur Samael – der Höllenfürst - und Azrael – der Dunkle Engel – Kenntnis haben, geschehen plötzlich seltsame Dinge, die sich auch ihr Schutzengel Jessy nicht erklären kann.


Dämonen und Engel sind euch suspekt? Zurecht! Wie dieses Protagonisten-Interview beweist:

Ich: „Danke Samael, dass du dir die Zeit nimmst, mir und der Leserschaft von 20 Herzen and Friends heute ein paar Fragen zu beantworten.“ Moment! Gerade versuche ich Samael davon abzuhalten... Bin sofort wieder bei euch!“

Ich zu mir selbst: „Dieser vorwitzige Gnom kann nerviger sein als ein Mückenstich!“ Samael: „Wie nennst du mich?“ Ich erröte. Hatte ich doch nicht damit gerechnet, dass er meine Anmerkung hört.

Ich: „Versuch doch wenigstens e-i-n-m-a-l dich zu benehmen, Sami. Sonst mache ich das nächste Interview nur mit Aveline und Azrael!“ Ich schaue mich im Wohnzimmer um. „Wo sind die überhaupt?“ Samael schnappt sich das Glas auf dem Tisch, während er sich schmollend in den Sessel fläzt.

Samael: „Der E-n-g-e-l“, der Dämon macht eine Fratze, „muss noch eben was erledigen. Und Aveline?“ Er zuckt mit den Achseln. „Keine Ahnung. Die macht sowieso was sie will, seitdem sie weiß, dass sie nicht …“ Samael grinst verschwörerisch, „a-l-l-e-i-n-e ist.“ Ich: „Es ist aber auch nicht einfach, seinen Willen mit jemanden teilen zu müssen. Weshalb bist du eigentlich schon hier? Warst du nicht derjenige, der später hinzustoßen wollte? Ich hoffe, du hast dir nicht schon wieder eine Seele einverleibt. Danach bist du immer so hyperaktiv.“

„Pfui! Teufel noch einmal!“ Samael prustet die Cola über den Tisch. Einige Tropfen landen auf meinem Shirt.

Ich: „Ieh! Kannst du nicht aufpassen?“ Ich klopfe mir die klebrigen Tropfen vom Shirt. „Jetzt muss ich mich auch noch umziehen.“

Samael: „Hab Hunger“, knurrt er beleidigt.

Ich halte inne. Das klingt gar nicht gut. In diesem Zustand darf man den Höllenfürsten nicht alleine lassen. Ich: „Später. Nach dem Interview“, raune ihm zu.

Beleidigt verschränkt der Dämon die Arme vor der Brust.

Ich: „Kommen wir zur ersten Interviewfrage: Mit welchen drei Worten würdest du dich beschreiben?“

Samael: „Ist das dein Ernst?“ Ich: „Klar. Du bist der Fürst der Hölle. Also privilegiert, das Interview zu eröffnen.“ Samael: „So gefällst du mir, Kim.“ Ich: „Ich weiß doch was sich gehört.“ Samael: „Mächtig. Gutaussehend. Wobei man diese beiden Worte auch zusammennehmen kann.“ Er grinst breit. „Ach ja. Und natürlich: Durchhaltevermögen.“ Er richtet den Oberkörper auf, um größer zu wirken. Ich: „Eher mächtig eingebildet, mein Lieber. Und Durchhaltevermögen?“ Ich versuche das Grinsen zu verbergen, doch es gelingt mir nur mäßig. „Du gehst doch bei jeder Kleinigkeit gleich an die Decke. Zum Durchhaltevermögen gehört Geduld. Und die fehlt dir in Gänze.“ Samael: „Welche drei Worte beschreiben dich denn?“, schießt er zurück.

Ich: „Optimistisch, starrköpfig und treuherzig.“ Samael überkommt heftiges Keuchen.

Ich: „Entschuldige das Wort. Ich weiß, auf Letzteres reagierst du allergisch.“ Mein Blick geht zur Uhr auf dem Schrank. „Aveline und Azrael lassen sich aber wirklich Zeit.“ Samael: „Willst du ablenken?“

Ich: „Du legst dir eh die Antworten so zurecht, wie du es brauchst, um besser dazustehen“, entgegne ich schnippisch.

Samael: „Klar. Sonst wäre ich doch nicht in der Hölle gelandet. Von irgendwoher muss es ja kommen.“

Eine Vermutung keimt in mir auf. „Du weißt nicht, was mit den anderen Beiden los ist!“

Samael winkt pikiert ab. „ Die haben wohl noch was wichtiges zu erledigen. Seit dem du Kreuzgang geschrieben hast ...“, brummt er.

Ich: „Was hat der dritte Teil von Fated Shadow damit zu tun?“

Samael: „Als ob du das nicht wüsstest! Also …“

Ich: „Hey! Wehe du verrätst etwas!“

Samael schmollt. „Dann eben nicht.“

Ich: „Und was könnte wichtiger sein als dieses Interview? Na gut, machen wir inzwischen mit der nächsten Frage weiter! Was war dein Lieblingsbuch in der Kindheit?“ Samael: „Die kleine Raupe Nimmersatt.“ Ich: „Was? Ein Dämon liest wirklich Kinderbücher?“ Ich bin mehr als perplex. „Und wieso gerade dieses Buch? Jetzt hast du mich aber mächtig neugierig gemacht.“ Samael: „Na, die Raupe frisst und frisst und frisst, so wie ich mir die Seelen einverleibe. Am Ende gibt es eine Verwandlung, ähnlich wie bei mir.“ Ich: „Nur das deine Verwandlung eher ins diabolische geht.“ Samael: „Gnä. Gnä. Gnä. Erzähl lieber was über deinen Lieblingsschinken.“ Ich: „Ich mochte gern Räuber Hotzenplotz.“ Samael: „Klar“, winkt er ab. „Deine Protas sind nie vor irgendetwas sicher. Daher weht also der Wind ...“

Ich grinse. „Liest du selbst, oder lässt du dir lieber vorlesen?“

Samael: „Ich soll lesen? Weshalb? Ich habe meine Sklaven und Diener, die alles machen was ich will. Und wenn nicht, werden sie halt dazu ermuntert, es zu tun.“ Ich: „Genau. Machst denen ja immer ordentlich Feuer unter den Hintern. Da würde ich auch springen.“ Samael hebt die Augenbrauen: „Ach ja?“ Ich: „Tu nicht, als wärst du ein Unschuldsengel!“ Samael: „Na, na, na. Jetzt werden wir aber böse, Kim. Immerhin war ich einst ein Engel, wie du weißt.“ Ich: „Ja. Hast recht. Entschuldige. Also, ich liebe Hörbücher. Bin ein totaler Fan von den Sprechern Uve Teschner, Simon Jäger und Franziska Pigulla.“

Samael schaut mich schweigend an.

Ich: „Welches Buch hast du gerade am Wickel?“

Samael: „10 einfache Wege sich eine Seele einzuverleiben. Erschienen im Höllenverlag. Ist `n gutes Buch.“ Ich: „Das ist jetzt nicht dein Ernst?“ Samael: „Willst du es dir mal ausleihen? Musst es aber innerhalb eines Tages durchlesen, ansonsten verglühen die Seiten. Und dann ist es nur noch schwer lesbar.“

Ich: „Lieber nicht. Das hat bestimmt so viele Seiten, sodass ich mit dir einen Pakt eingehen müsste, bei dem ich meine Seele am Ende an dich verliere.“ Samael: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ Ich winke dankend ab. „Gerade höre ich Der Fotograf von John Katzenbach. Würdest du gern einen Charakter aus dem Buch treffen und warum?“

Samael: „Ich treffe nur jemanden, um mir...“ Ich: „Kannst du mal damit aufhören, andauernd von Seelen zu sprechen. Das wird langsam nervig, Sami.“ Samael: „Dann sag ich eben gar nix mehr!“ Beleidigt lehnt er sich zurück, den Blick an die Decke geheftet. Ich: „Bei mir wäre es Doug Jeffers – der Entführer von Anne. Mich würde mal interessieren, was in dem kranken Kopf so herumspukt.“

Samael: „Das kann ich mir bei dir gut vorstellen. Du würdest doch vor Aufregung nur noch zwitschern, wenn er vor dir stünde.“

Ich: „Hm. Könnte sein. Guter Einwand, was mich zu einer weiteren Frage bringt. Welches Lied beschreibt dich am besten?“

Samael: „Ring of fire von Johnny Cash.“ Ich: „Na, das hat ja lange gehalten. Von wegen du hältst die Klappe“, feixe ich. Samael: „Pffft. Verrate mir lieber“, neugierig beugt er sich vor, „welcher Song dich beschreibt.“ Ich: „Ich denke … We're the unforgiven von Gary Numan.“ Samael fällt zurück ins Sessel: „Das hätte ich mir auch denken können.“ Lässig legt er das rechte Bein über das Linke. Seine Handflächen reiben über die Armlehnen, als wolle er sie trocken reiben. „Dann werden wir uns bestimmt bald an einem Ort meiner Wahl treffen, Schätzchen.“ Plötzlich steht Samael neben mir. Ich: „Lass meinen Arm los, Samael. Noch ist es nicht soweit.“

Samael: „Keine Bange. Man sagt, das Leben läuft noch einmal wie ein Film vor dem geistigen Auge ab, wenn …“ Ich: „Sami! Das geht nun wirklich zu weit. Und lass jetzt meinen Arm los.“

Er lässt tatsächlich von mir ab. Puh! Noch einmal Glück gehabt. Wären Aveline und der Dunkle Engel anwesend, würde ich mich um einiges sicherer fühlen.

Ich: „Wenn du dein Leben verfilmen lassen würdest, wie wäre der Filmtitel?“

Samael: „Ich denke, wir könnten gut einen Film gemeinsam drehen. Schließlich haben wir viel Zeit miteinander verbracht. Und eines muss ich sagen, du...“ Seine Augen verengen sich zu schmalen Schlitzen. „ als Autorin, hast es mir wirklich nicht leicht gemacht.“

Ich: „Das ist mein Job, die Protagonisten in schwierige Lagen zu bringen. Aber, das aus deinem Mund zu hören gleicht fast schon einem Ritterschlag. Eines versichere ich dir: ich fühle immer mit euch.“

Samael: „Pffft. Dein Filmtitel?“

Ich: „Ein Herz ...“ Samael: „... und eine Seele“, entgegnen wir wie aus einem Mund.

Azrael: „Welche Seele?“

Mir stockt der Atem. Plötzlich steht der Dunkle Engel mit seinen traurigen blauen Augen in meinem Wohnzimmer. Ich, verlegen: „Hallo Ace! Toll, dass du es doch noch einrichten konntest, zu kommen. Ich freue mich, dich zu sehen. Wo bleibt denn Ava?“

Samael mustert den Neuankömmling interessiert.

Azrael: „Ich wäre schon früher hier gewesen, doch jemand hatte mir anscheinend die falsche Uhrzeit übermittelt.“ Sein Blick fixiert Samael, der sich seelenruhig eine Zigarette dreht. Ich: „Nein, keine Seele. Wir haben uns gefragt wie der Filmtitel unseres Lebens lauten könnte. Wie ist es bei dir?“ Azrael: „Falling down.“ Samael lacht hämisch. Ich: „Komm schon. So tief bist du nicht gefallen. Außerdem bist du eine coole Socke und flippst nie aus. Du leistest tolle Arbeit. Was mich noch mal auf meine andere Frage zurückbringt. Weißt du, was mit Aveline ist? Sie hätte schon längst hier sein sollen.“ Azraels stechend blaue Augen schauen durchdringend in die Runde. Als sein Blick auf mich ruht, wird mir heiß. Azrael: „Wenn das der Maßstab wäre, müsste ich schon längst wieder weiße Flügel haben.“ Ich: „Schwarze stehen dir aber viel besser“, zwinkere ich ihm zu. Der Dunkle Engel winkt pikiert ab. „Ava wird es wohl nicht schaffen.“

Bevor ich meine Neugierde befriedigen kann, fällt mir der Dämon ins Wort. Samael: „Da stimme ich Kim ausnahmsweise mal zu. Schwarz steht dir“, gibt er neidisch zu. Eine kleine Flamme huscht über seine Fingerkuppe.

Ich: „Wehe du fackelst hier etwas ab.“

Samael zündete sich die Zigarette an, bevor er schließlich die Flamme mit dem Finger wegschnippt. Eine kleine graue Rauchsäule entsteht.

Azrael schnappt sich einen Stuhl, dreht ihn herum, dann setzt sich so darauf, dass er die Unterarme auf der Rückenlehne ablegen kann. Ich: „Wieso kommt Ava nicht?“ Azrael: „Du sitzt hier, palaverst mit Sami, während du eigentlich schreiben solltest.“ Ich: „Das ist ein Interview“, entrüste ich mich. „Danach kümmere ich mich um die nächsten beiden Projekte.“ Der Ausdruck des Engels wirkt ungläubig. Ich: „Was bringt euch zum Lachen?“

Azrael: „Bekomme ich was zu trinken?“

Ich: „Natürlich. Entschuldige meine Manieren. Cola?“

Azrael: „Willst du mich auf den Arm nehmen?“

Ich verziehe das Gesicht. „Nein. Das Übliche, also.“

Während ich Azrael einen Whisky einschenke fällt mir eine weitere Frage ein. „Was war das Verrückteste, das ihr in eurem Leben bis jetzt gemacht habt?“

Samael: „Dir erlaubt zu haben, über mich zu schreiben.“ Ich: „Ich sitze hier und unterhalte mich mit fiktiven Figuren. Ist das nicht irre?“ Ich übergebe Azrael das Glas, doch der Dunkle Engel schweigt sich aus. „Ace?“ Azrael schürzt die Lippen. „Verrücktheit verbinde ich mit Dummheit. Ich hatte mal was mit einer Dimensionswandlerin ...“ Ich: „Und was ist daran verrückt?“ Azrael: „Sie war zuvor Samaels Geliebte.“ Ich: „Du hast Samael die Freundin ausgespannt?“ Ich stoße einen Pfiff aus. Der Dunkle Engel winkt genervt ab. „Nein. Sie hat erst Sami und dann mich betrogen. Doch das will ich jetzt nicht weiter ausführen. Außerdem, du weißt es am Besten.“ Samael: „Schade. Ich hätte gern nähere Einzelheiten von dir erfahren. Immerhin durfte ich deiner Gerichtsverhandlung nicht beiwohnen.“ Ich: „Du wurdest deswegen verhaftet?“ Azrael: „Nein. Verbannt“, presst er zwischen zusammengekniffenen Lippen hervor.

Ich: „Naja, deine Lebensgeschichte habe ich noch nicht in einem Extraroman wie bei Jessy beleuchtet.“

Azrael: „Ist auch besser so. Glaub mir. Lass es einfach.“

Der Dunkle Engel wirkt melancholisch. Seine Gedanken scheinen abzuschweifen. Bevor er beschließt wieder zu gehen, stelle ich eine neue Frage. „Was sind die wichtigsten Dinge in eurem Leben?“

Samael: „Darf ich?“ Ich: „Nein!“ Samael: „Dann eben nicht.“ Samael verdreht die Augen. „Obwohl ich weiß, dass ihr wisst, was mir am wichtigsten ist.“ Ich: „Das hast du bereits mehrmals erwähnt.“ Samael: „Was ist dir denn wichtig, du Neunmalklug?“ Ich: „Weltfrieden.“ Samael hüpft lachend auf und ab, während der Dunkle Engel mich aus unergründlicher Miene anblickt. Samael: „Klar doch. Jetzt mal im Ernst, Kim! Raus mit der Sprache. Oder wie der Cheeseburger sagt: Budder bei de Fische.“ Azraels Hand klatscht gegen seine Stirn, während er den Kopf schüttelt. Ich: „Hamburger, Samael. Nicht Cheeseburger.“ Samael: „Ist doch Wurst. Ob mit oder ohne Käse, ist doch alles Käse.“ Ich: „Tickst du jetzt total aus?“ Azrael: „Respekt ist mir wichtig.“

Ich: „Das erinnert mich an einen Film mit Bruce Willis ... Doch bevor das hier in einen feurigen Streit ausartet, beantwortet mir doch bitte die folgende Frage: Wenn ihr ein Schild um den Hals hängen hättet, was würde da drauf stehen?“

Samael: „Ich hab ne Idee. Ich sage, was bei dir draufsteht und du sagt, was bei Ace auf dem Schild zu lesen wäre und der verrät dann meines. In Ordnung?“ Ich: „Okay“, entgegne ich zögerlich. Azrael schweigt. Samael: „Also bei Kim steht drauf...“ Er überlegt einen Moment. „Ja! Jetzt hab ich‘s! Realistische Träumerin.“ Ich: „Ich bin überrascht. Das hast du aber nett gesagt.“ Samael: „Nun du, Kim.“ Ich: „Das ist nicht schwer. Ein Geschenk Gottes.“ Ace sieht mich verwirrt an. „Das denkst du über mich?“ Er springt vom Stuhl auf. „Du kennst doch meine Vergehen!“ Ich: „Beruhige dich. Deine Vergangenheit ist ein Teil von dir und hat dich zu dem gemacht, was du heute bist. Du bist nicht wirklich böse. Das kann man eher von Samael behaupten, Du bist ...“ „Klappe, Kim“, unterbricht mich Samael barsch. „Jetzt du, Ace. Was steht auf meinem Schild?“ Azrael holt einmal tief Luft bevor er antwortet. „Dämon mit Seele.“ Samael springt auf und will Azrael an die Gurgel gehen. Der glühende Zigarettenstummel landet auf meinem Holztisch. Ich: „Stopp, Sami!“ Ich springe ebenfalls auf, stelle mich zwischen die beiden, um sie zu beschwichtigen. Samaels Gesicht beginnt sich rot zu verfärben, während er die Fäuste ballt. Ich: „Bitte, Samael. Mach jetzt keine Szene. Wir werden es auch niemanden verraten. Versprochen!“ Mit dem Zeigefinger beschreibe ich ein Kreuz über dem Herzen. Samael: „Das reicht“, knurrt er. „Jetzt ist es genug! Ihr wisst, wo ihr mich findet.“ Mit einem lauten Knall ist der Dämon verschwunden. Ich: „Das war jetzt aber selbst für einen Höllenfürsten wie ihn seltsam. Findest du nicht auch, Ace?“ Azrael: „Ganz und gar nicht.“ Er nimmt den Zigarettenstummel. Es zischt, als die Glut auf den Rest Cola im Glas trifft. “Du hast dich gerade bekreuzigt. Das hat ihm weh getan.“ Ich reiße erstaunt die Augen auf. „Das hatte ich nicht bedacht.“

Azrael kippt den Whiskey hinunter.

Ich: „Sag mal, Ace ,wo würdest du für eine Auszeit gerne mal hinfahren? Also ich würde gern einmal auf die Seychellen.“ Azrael: „Da ich ein magisches Wesen bin, kann ich überall hin. Doch allein, macht es keinen Spaß. Dann müsste schon jemand mit mir kommen.“ Er setzt sich auf den Stuhl. Ich stupse ihn mit den Ellenbogen an. „Verrätst du mir, wer die Person sein könnte?“ Er schüttelt den Kopf, sodass seine lange blonde Mähne wild durcheinander fliegt. Als er mit den Händen durch das Haar fährt, sieht er verführerischer aus als zuvor. Azrael: „Jemand, der mich versteht und mich so nimmt, wie ich bin.“ Mit verklärtem Blick sehe ich ihn an. „Ich nehme dich so, wie du bist. Also, wen oder was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?“

Azrael beginnt unruhig auf dem Stuhl hin und her zu rutschen. „Dieselbe Person, mit der ich die Auszeit nehmen würde.“ Ich: „Sag mal ... bist du verliebt?“ Azrael: „Sag du es mir. Du bist die Autorin.“ Ich presse die Lippen aufeinander, schweige aber zu diesem Thema. Azrael: „Du hast die Frage nach dem was noch nicht beantwortet.“ Ich: „Vermutlich ein Buch. Ein E-Reader nützt nichts, Sobald die Batterie alle ist, würde ich nicht mehr lesen können. Gibt es einen Moment den du gerne noch mal erleben möchtest? “

Azrael: „Den Moment, als ich das erste Mädchen getötet hatte, um zu verhindern, dass Nagual die Weltherrschaft an sich reißen könnte.“ Ich runzle die Stirn. „Du möchtest einen Mord noch einmal erleben? Wieso das?“ Meine Atmung beginnt sich sichtbar zu beschleunigen, denn dies ist ein sehr sensibles Thema für den Dunklen Engel. Azrael: „Jetzt weiß ich, wie es geht. Und ich hätte das Mädchen nicht umbringen müssen.“ Erleichtert entlasse ich die Luft aus der Lunge. „Du würdest es gern rückgängig machen.“ Meine Stimme bricht fast, während der Engel mich aus traurigen blauen Augen ansieht und einmal nickt.

Ich: „Kannst du dich für etwas richtig begeistern?“

Azrael: „Die Hoffnung, die ein Mensch in der Lage ist aufzubringen, begeistert mich.“ Ich: „Das war jetzt ziemlich philosophisch, Ace. Diese Ader kannte ich von dir noch gar nicht.“ Azrael: „Es braucht mehr als ein Menschenleben, um mich kennenzulernen.“ Ich: „Da hast du wohl recht“, seufze ich. Mein Magen beginnt sich zu melden.

Ich: „Wenn du drei berühmte Persönlichkeiten zum Essen einladen könntet, welche wären das?“

Azrael: „Sag du zuerst.“ Ich: „Okay. Bei mir wären es William Shakespeare, Marco Polo und Stephen Spielberg.“ Azrael: „Marco war ein toller Mann. Er hatte viel auf sich nehmen müssen.“ Ich: „Du hast ihn gekannt?“ Azrael: „Sicher! Ebenso wie Nero, Mutter Teresa und andere nicht ganz so beliebte Persönlichkeiten, die nicht mehr unter den Lebenden weilen.“ Ich: „Und wer sind deine Favoriten?“ Ich kann meine Neugierde nicht mehr zügeln. Ebenso wenig mich entscheiden, ob ich sitzen oder stehen soll. Ich beschließe, mich hinzusetzen, sollte der Schock mich überwältigen. Azrael lässt sich mit der Antwort viel Zeit. Ich: „Ace? “, dränge ich. Unsere Blicke treffen sich. Eine Bestimmtheit steht ihm ins Gesicht geschrieben, auf die ich nicht gefasst war, als er antwortet. Azrael: „Gott. Tad Williams und Marie Curie. Marie hätte ich vor den Folgen gewarnt. Sie war eine tolle Wissenschaftlerin und Frau.“ Ich: „Tad Williams? Der Autor?“ Azrael: „Ja. Ich werde ihn dann Samael vorstellen, damit er noch mehr Ideen über die Hölle bekommt.“ Sein linker Mundwinkel zuckt, ein Anzeichen, dass er einen Scherz macht.

Ich kann kaum glauben, was ich alles in diesem Interview von Azrael erfahre. So redselig ist er noch nie gewesen. Ich erfasse die Gelegenheit. „Was war der beste Ratschlag, den du jemals erhalten hast?“

Azrael: „Aveline am Leben zu lassen.“ Ich: „Wer hat dir das geraten? Samael wird es ja wohl nicht gewesen sein.“ Azrael: „Mein Gewissen. Und du?“ Ich: „Oh. Ja, also … ich … Nun, der Rat nach London zu gehen, um mir einen Traum zu erfüllen. Es war zwar eine harte Zeit während des Studiums, doch auch mit die schönsten Jahre.“

Azrael erhebt sich. „Es wird Zeit. Ich muss los.“

Ich: „Aber … wohin willst du?“

Azrael: „Das weißt du am besten.“

Ich: „Schade. Dann sind wir jetzt wohl am Ende des Interviews angekommen. Doch eine letzte Frage beantworte mir bitte noch. Was wolltest du jemandem bestimmten immer schon mal sagen?“

Für eine Minute steht der gut aussehende Engel nur da, den Kopf leicht zur Seite geneigt, während er überlegt.

Azrael: „Auch auf die Gefahr hin, wieder in der Vergangenheit zu schwelgen … Ich würde Gott sagen, dass er einen Fehler gemacht hat, als er mich verbannte.“ Ich: „Würde er dir zuhören?“ Azrael: „Das war eine weitere Frage“, neckt er mich.

Bevor ich antworten kann, fährt er fort. „Man sagt, ER macht keine Fehler. Alles ist vorbestimmt. Doch das hätte ich gern mit IHM persönlich diskutiert.“ Ich muss grinsen, werde aber sofort wieder ernst. „Danke, Azrael, dass du noch vorbeigekommen bist. Wenn du Ava sehen solltest, grüße sie von mir.“

Der Dunkle Engel will gehen. Kurz bleibt er im Türrahmen stehen, blickt über die linke Schulter zu mir. „Jetzt, da Sami weg ist, kann ich es ja verraten. Aveline ist auf der Suche nach ihrer Mutter.“ Dann ist er verschwunden.

Es dauert eine Minute, oder zwei, bis ich begreife. Nun genehmige ich mir ebenfalls einen Drink. „Das war ja mal eine Unterhaltung. Ein Dämon und ein Engel. Wann bekommt man so etwas schon geboten?“



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